”Gloria Paradisi” für Soli, drei Chöre und Orgel

Eine Kantate für hungernde Kinder in Nordkorea

 

                                         

          Uraufführung 2005                           Philharmonie Berlin 2010                      Philharmonie Berlin 2013                                CD- Konzertmitschnitt

Gloria Paradisi

Leere und Finsternis überall. Kein Leben regt sich, kein Licht durchdringt die kalte Finsternis. Nur Gott allein ist da. Aus dem Nichts heraus schafft er das Licht und wirft funkelnde Sterne an das Firmament. Alles beginnt zu glitzern. Dazu schafft er eine groß Sonne, die Wärme in die Welt hinausstrahlt. Langsam beginnt die Erde sich zu bewegen, die riesigen Wasser brausen gewaltig auf. Und schließich schafft er Lebewesen, die in seiner Welt wohnen sollen. Alles leuchtet und funkelt wie Diamanten, so wunderschön und vollkommen macht Gott die Welt, seine Schöpfung. Und alles, was da lebt und ist in der Welt, preist und lobt das Werk des Allmächtigen!

1. Schöpfung (Orgel), 2. Gloria Paradisi (Orgel und Chor)

                                                                                                                   

Voll von Bewunderung preisen und loben die Menschen Gottes wunderbare Welt: Gloria Paradisi. Auch Kinder stimmen mit ein, sie danken ihrem himmlischen Vater für ihr Leben in Freiheit und ohne Sorgen: Gloria, Gloria. Doch aus der Ferne ertont mit einem Mal ein Stöhnen, das sich unter den Lobgesang mischt… Es sind Kinder, die wir nicht sehen können, weil sie im Verborgenen leben. Kinder, die unter Armut und Unterdruckung leiden. Innig flehen sie um Hilfe. Niemand ahnt das Unglück dieser Kinder.
Überall aus der Welt erschallen nun Lobgesange: Herr unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du  bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! ” (Psalm 8: 1-2,4-5,10 )

Doch viele Menschen entfernen sich mit der Zeit aus Gottes Nähe. Sie lassen sich verführen von Geiz und Habgier und von der Macht, andere Menschen zu unterdrücken. Sie verfallen dem Hass und der Gewalt. Wie von einer himmlischen Stimme werden die Menschen gewarnt:

“Legt das Lügen ab”, redet die Wahrheit; denn ihr alle sind Glieder am Leib von Christus. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. (Epheser 4:25, 31-32)

Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da. Der Herr macht zunichte der Heiden Rat und wehrt den Gedanken der Völker. Aber der Ratschluss des Herrn bleibt ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für. Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft. Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen; und ihre große Stärke errettet nicht. Siehe, des Herrn Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen, dass er sie errette vom Tode und sie am Leben erhalte in Hungersnot. Unsre Seele harrt auf den Herrn; er ist uns Hilfe und Schild. (Psalm 33: 8-12, 16-20 )

aber viele Menschen hören nicht auf diese Stimme, sie ignorieren Gottes Wort und ihr eigenes Gewissen. Weiterhin streben sie mit allen Mitteln nach Macht und Herrschaft, und sind bereit sich diese notfalls mit Waffen zu erkämpfen. Männer, Frauen und auch Kinder sollen dann in den Kampf hinaus und in riesigen Heeren in den Tod ziehen. Nur ist dies kein einmaliges Ereignis. Hören wir doch fast jeden Tag von Krieg und Tod in der Welt. Und so trennen sich die Menschen, die einst in Harmonie und Brüderlichkeit zusammenlebten…
Vom furchtbaren Krieg zerstört, liegt die Welt kahl und verwüßtet da. Einsame Kinder weinen und sehnen sich nach ihren Muttern. Sie sind verlassen und am Ende ihrer Kräfte.
Gebet “Herr, unser Vater…!” rufen die Menschen aus der Tiefe zu Gott.
Eine riesige Grenze trennt die Menschen voneinander. Der Schmerz und die Sehnsucht in ihren Herzen verschlagen ihnen die Sprache. Doch sie beten weiter… Vor Gott schließlich vereinigen sich die Gebete aller Menschen zu einem einzigen lauten Ruf: “Abodzi yeo!”. Voller Inbrunst rufen sie immer wieder diese Worte, die sie in ihrem Schicksal verbinden und stark machen.
“Ich hebe meine Augen auf zu Dir” der du im Himmel wohnest. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren sehen, wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Frau, so sehen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig werde. Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig. (Psalm 123: 1-3 )

 - so höre ich meine Mutter, wie sie seit dem Koreakrieg und ihrer Flucht nach Südkorea für ihr getrenntes Land betet.
Pyongyang, die Hauptstadt Nordkoreas, war früher eine sehr christliche Stadt. Man vermutet, dass in ganz Nordkorea noch immer viele Christen im Verborgenen beten und darauf hoffen, irgendwann einmal wieder frei glauben zu dürfen. Aus ihrer Verlassenheit klagen sie: „Herr, wie lange willst Du mich so ganz vergessen?” Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich Ängsten in meinem Herzen täglich? (Psalm 13: 1-3 )

Weil meine Mutter seit dem Krieg nicht mehr ihre Heimat besuchen kann und ihre Großmutter nie wieder gesehen und gehört hat, sagte sie manchmal zu mir: Sieh, die Vögel, sie können über die Grenzen hinweg und überall hinfliegen. Aber wir, die Menschen, können es nicht”. Nur “…die Wahrheit wird euch befreien!“ Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seit ihr wahrhaftig meine Jünger und die Wahrheit wird euch befreien. (Johannes 8: 31-32 )

„Das Volk, das im Dunkeln lebt“ sieht ein großes Licht für alle, die im Land der Finsternis wohnen, leuchtet ein Licht auf. Herr, du vermehrst sie und schenkst ihnen große Freude! Amen.”  (Jesaja 9: 1-2 )

Hostias Gott hat die Gebete der Menschen um Frieden erhört, ihre Opfer haben ihn gnädig gestimmt.
Alle Not wird vergessen sein, ich bereite ihr ein Ende. Alles mache ich jetzt neu. Einen neuen Himmel schaffe ich und eine neue Erde. Dann sehnt sich niemand nach dem zurück, was früher einmal gewesen ist; kein Mensch wird mehr daran denken. Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich nun schaffe! Ich mache Jerusalem zur Stadt der Freude und seine Bewohner erfülle ich mit Glück. Ich selbst will an Jerusalem wieder Freude haben und über mein Volk glücklich sein. Niemand wird mehr weinen und klagen. (Jesaja 65: 17-19 )

Von Glück und Dankbarkeit erfüllt, jubeln und jauchzen sie: “Gloria Paradisi!” …doch das Glück ist nicht vollkommen… Die Stimmen der Armen und Einsamen sind nicht verstummt…

Herr, unser Gott!
Danke, dass wir alle gemeinsam heute Abend der Musik lauschen können!
Denn sieh, wie viele Menschen, wie viele Kinder in der Welt leiden in diesem Augenblick
unter Krieg und Gewalt, wie viele sind schwer krank oder haben kaum etwas zu essen,
wie viele sind durch Krieg und Herrschaft von ihren Lieben getrennt,
wie viele leben in Einsamkeit?!
Dieser Menschen wollen wir heute Abend gedenken und für sie beten,
während wir der Musik lauschen!

Bitte hilf uns, lieber Gott, unsere und Deine Welt zu einem Ort des Friedens,
der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe zu machen,
auf dass sie jeden Tag ein bisschen mehr zu dem werde,
wozu Du sie bestimmt hast: zu einem Paradies!
Gloria Paradisi !

Seongju Oh

Für meine liebe Mutter zu ihrem 70. Geburtstag!

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              5. Alle Welt fürchte den Herrn                                              6. Krieg, 7. Gebet                                         8. Ich hebe meine Augen auf zu dir

     

11. Das Volk das im Dunkeln lebt