Ein verregneter Tag, mein erstes Klavierstück http://www.youtube.com/watch?v=JGSxFPcWYZo&list=TL-DzA30uG4l3MeGMcQPk5NmDI9xIQuI83 Es war ein Nachmittag im Sommer 1987. Ich war beim Wehrdienst an der Grenze zwischen Nord- und Süd-Korea. Während der Dienstzeit durfte ich das Grenzgebiet nicht verlassen. Ein Jahr später war ich endlich wieder zu Hause, da ich einen zweiwöchigen Urlaub hatte. Doch wie in jedem Sommer in Süd-Korea war es Regenzeit. Es hat tagelang nur geregnet. Ich konnte deswegen meine Urlaubstage nur zu Hause verbringen. Natürlich war mir sehr ’langweilig’… Dieses Stück schrieb ich aus meiner ’Langeweile’ heraus. Meine Mutti war gerade im Badezimmer beim Wäschewaschen, sie hatte natürlich meine Langeweile mitbekommen. Als ich das Stück fertiggeschrieben hatte, fragte ich sie, wie dieses Stück heißen solle. Sie sagte ”Ganz einfach: ’Ein langweiliger Nachmittag’!”. Oh je … Dieser Titel erinnert mich seit vielen Jahren an diesen Sommer. Als Gertraud mich letztens anrief und fragte, ob ich ein Klavierstück vorspielen könne, holte ich das Stück nach langer Zeit endlich wieder aus der Schublade und aus meiner Erinnerung. Nun nenne ich dieses kleine Klavierstück ’Ein verregneter Tag’. Schon besser, oder?!   Gedichte Klicken Sie auf eines meiner Werke um es zu lesen:

Ruhig geht mein Blick über die feuchte, grüne Wiese vor meinem  Fenster.
Ich denke an meine Mutter.
In Gedanken vertieft, schließe ich kurz die Augen –
Sehnsucht rinnt bereits meine Wange herab.
Meine Heimat.

Manchmal rufe ich dann zu Hause an.
Das Freizeichen im Hörer lässt mein Herz schneller schlagen.
Endlich höre ich die fröhliche Stimme meines Bruders.
Sie erinnert mich an unsere kleinen Streitereien, über die ich heute lächle.
Und dann die Stille nach dem Gespräch.
Meine Heimat.

Gute Freunde habe ich kennen gelernt.
Meine Mutter hat immer gebetet, dass ich solche Freunde treffe.
Ich glaube, dass ich deshalb diese Freunde habe.
Vor dem gemeinsamen Essen mit ihnen senke ich meinen Kopf
und denke an unsere warme, helle, sonnendurchflutete Küche.
Meine Heimat.

Immer leiser wird mein Schlummer.
Aus der verregneten Nacht strahlt eine Laterne durch mein Fenster so wunderschön.
Ich lösche das Licht und decke mich zu und spüre,
wie mich plötzlich Sehnsucht durchflutet und fortreißt…
Meine Heimat.

Ich öffne meine Augen, nun wird es wieder Morgen.
Ich denke daran, wie ich damals zur Schule eilte,
und wie ich die Hand emporreckte, um ein Taxi anzuhalten.
In Erinnerung an diesen Morgen steige ich in die Straßenbahn.
Meine Heimat.

 

Freiburg, März. 1990

Frühlings Wind im Garten, Pusteblumen atmen,
frischer Wind umwehet sie.

Löwenzahn, sie schauen himmelwärts zum Blauen,
und ein kleiner Hund schließt die Äugelein zum Schlaf.

Frühlings Luft, sie flimmert, und von Ferne schimmert
leis’ der Kinder fröhliches, lustiges Spiel.

Blätter fielen in den Teich hienieden,
doch nun strahlt die Sonne in ihr Angesicht.

Ja, Frühling wird es,
er strahlt, man spürt es aus der Blüht’ am Baum,
und wie im Winter die Zweige war’n finster, so leuchten sie jetzt grün.

Vögelein, sie singen, Schmetterlinge springen,
wir jubilieren:
Frühling, du bist da!

 

Busan, April 1989

Liegt meine verlassene Heimat
vielleicht hinter den Hügeln,
hinter bedeckten Wolken?

Liegt das wellende Meer der Heimat
vielleicht unter dem blauen Himmel?

Die Vögel am grauen Himmel,
Wohin, wohin fliegen sie?

 

Trossingen, November 1995

Ein verregneter Tag . Grauer Himmel.

Der Wind lässt die Regentropfen am Fenster auseinander laufen.

Jetzt kommt die Dunkelheit. Du warst mir nah, aber jetzt bist du der Morgennebel geworden, den ich nicht zu berühren vermag.

Auch nach  vielen Jahren werde ich mich daran erinnern,

ich summe manchmal deine unvergesslichen Lieder.

Nun verlasse ich diesen Ort und es bleiben alte Erinnerungen zurück.

Mit den rinnenden Tropfen zerfließt meine Vergangenheit.

Irgendwann wird alles vergessen sein, vergessen sein.

 

Busan, Mai. 1986